Beitrag Dr. med. A. Gottschalk
Dr. med. Andreas Gottschalk

Dr. med. Andreas Gottschalk

Facharzt für Radiologie und Neuroradiologie


Bis 31.12.2019

Leitender Oberarzt Neuroradiologie

Krankenhaus Nordwest

Steinbacher Hohl 2-26

60488 Frankfurt am Main

Telefon: +49 (0) 69 / 7601 - 4468

www.krankenhaus-nordwest.de

gottschalk.andreas@khnw.de


Ab 01.01.2020

Radiologische Gemeinschaftspraxis

Hessenring 64

61348 Bad Homburg vor der Höhe


voraussichtlich ab 01.04.2020

Rathausplatz 1

61348 Bad Homburg vor der Höhe


Telefonnummer und eMailadresse folgt


Neuroradiologie - Diagnostik


Unter einer Syringomyelie versteht man eine krankhafte Höhlenbildung mit Liquoransammlung innerhalb des Rückenmarks (Myelon). Bei manchen Patienten lassen sich mit Hilfe der MRT direkte Ursachen wie z.B. Folgen eines Wirbelsäulentraumas, ein Tumor oder angeborene Fehlbildungen nachweisen. Lassen sich kernspintomographisch keine direkten Ursachen finden, spricht man von einer idiopathischen Syringomyelie.


Bei der Erstabklärung einer Syringomyelie ist daher eine MRT-Untersuchung der gesamten Wirbelsäule wichtig, um angeborene Fehlbildungen, wie z.B. eine Chiari-Malformation oder ein Tethered cord-Syndrom nicht zu übersehen. Darüber hinaus sollte eine Kontrastmittelgabe erfolgen, um entzündliche oder tumoröse Veränderungen des Rückenmarks zuverlässig  auszuschließen. Konnten diese erfolgreich ausgeschlossen werden, kann bei den folgenden Kontrolluntersuchungen auf weitere Kontrastmittelgaben verzichtet werden. Eine Ausnahme bildet hier lediglich die Abklärung postoperativer Veränderungen. MRT-Kontrastmittel sind sehr gut verträglich und hat neben äußerst seltenen allergischen Unverträglichkeitsreaktionen bei nierengesunden Patienten keine sonstigen Nebenwirkungen. Bei der MRT selbst kann es als Nebeneffekt zu Wärmegefühl und in seltenen Fällen zu Nervenimpulsen und Muskelzuckungen kommen, da bei dieser Untersuchungsmethode hochfrequente elektromagnetische Energie in den Körper eingestrahlt wird. MRT-Geräte mit höheren Feldstärken (3 Tesla-MRT) haben dabei technisch bedingt auch einen höheren Geräuschpegel, welcher teilweise als unangenehm empfunden wird. Hier kann mit doppeltem Gehörschutz Abhilfe geschaffen werden. Patienten mit schwerer Klaustrophobie (Angst vor engen Räumen) kann vor der MRT-Untersuchung ein beruhigendes Medikament verabreicht werden. Meist ist damit im Anschluß die MRT-Untersuchung möglich, allerdings darf dann am selben Tag von dem Patienten kein Kraftfahrzeug mehr geführt werden.


Sowohl das Gehirn als auch das Rückenmark sind in Nervenwasser, den sogenannten Liquor cerebrospinalis, eingebettet. Dabei übernimmt der Liquor eine wichtige Stoßdämpferfunktion für die empfindlichen Nervenstrukturen. Man unterscheidet innere und äußere Liquorräume. An der Wirbelsäule wird der innere Liquorraum durch den im Rückenmark gelegenen Zentralkanal gebildet. Dieser Kanal ist bei Gesunden so dünn ausgebildet, dass er auf Standardsequenzen in der MRT häufig nicht zu sehen ist. In seltenen Fällen kann er aber auch bei Gesunden als Überbleibsel aus der Entwicklung diskret erweitert sein. Der maximale Querdurchmesser sollte dann weniger als 2 mm betragen. Dies wird als Hydromyelie bezeichnet und stellt in den meisten Fällen einen harmlosen Zufallsbefund dar. Bei der Syringomyelie kommt es hingegen im Regelfall zu einer spindelförmigen Höhlenbildung innerhalb des Myelons, deren Querdurchmesser mehr als 2mm beträgt.


Während der Auswurfphase des Herzens (Systole) kommt es zu einer pulsatilen Erweiterung der Arterien, welche man als Puls an den Schlagadern, z.B. am Handgelenk oder am Hals, fühlen kann. Diese Pulswellen setzen sich bis in die Arterien des Gehirns und des Rückenmarks fort, so daß es mit jedem Pulsschlag auch zu einer pulsatilen Ausdehnung des Gehirns kommt. Dies bewirkt wiederum einen pulsatilen Fluß des Liquors im Kopf und an der Wirbelsäule. Diesen Liquorfluß kann man an modernen Kernspintomographen mittels EKG- oder Puls-getriggerter Liquorflußmessungen direkt sichtbar machen. Zur Ableitung des EKG-Signals bzw. der Pulskurve ist es hierbei erforderlich dem Patienten spezielle MRT-taugliche EKG-Elektroden auf den Brustkorb zu kleben bzw. einen Fingerclip mit Pulssensor anzubringen. Bei Gesunden kann der Liquor mit jedem Pulsschlag frei am Rückenmark entlang pulsieren. Bei Patienten mit Syringomyelie ist diese Liquorpulsation häufig durch Verklebungen/Vernarbungen in den äußeren Liquorräumen (Subarachnoidalraum) der Wirbelsäule gestört. Es handelt sich dabei oft um hauchfeine membranöse Strukturen, sogenannte arachnoidale Adhäsionen, welche in den Standardsequenzen der MRT in der Regel nicht direkt nachweisbar sind. Mit Hilfe von Liquorflußmessungen können die Liquorflußbehinderungen jedoch lokalisiert und die verursachenden arachnoidalen Membranen anhand EKG-getriggerter dynamischer MRT-Sequenzen, sogenannte cine MRT, hochaufgelöst dargestellt werden. Diese Technik ist bundesweit allerdings nur in wenigen dafür spezialisierten Kliniken und Großpraxen verfügbar.


Grundsätzlich gilt es zu verstehen, dass die MRT immer nur einen, wenn auch sehr wichtigen, von mehreren Bausteinen in der Diagnostik der Syringomyelie darstellen kann, da der bildmorphologische Befund in manchen Fällen nicht mit der Beschwerdesymptomatik


der Patienten korreliert. Damit ist gemeint, dass man allein anhand der Größe einer Syringomyelie nicht direkt auf das Ausmaß der Beschwerden rückschließen kann. Mit anderen Worten können Patienten mit einer relativ großen Syringomyelie weitgehend beschwerdefrei sein, während kleine Syringomyelien durchaus in der Lage sein können starke Schmerzen und schwere Beeinträchtigungen auszulösen. Auch bei Verlaufskontrollen kann die Größe der Syringomyelie konstant geblieben sein, obwohl sich das Beschwerdebild des Patienten verbessert oder verschlechtert hat. Bei der MRT geht es also neben der primären Diagnosesicherung vor allem darum, auslösende Ursachen zu entdecken, die vielleicht einer operativen Therapie zugänglich sind, sowie kritische Verläufe mit schneller Größenzunahme einer Syringomyelie rechtzeitig zu erkennen. Um diese MRT-Befunde richtig interpretieren zu können, benötigt der Radiologe umfassende Kenntnisse und Erfahrung mit dem seltenen Krankheitsbild der Syringomyelie. Aus diesem Grund empfiehlt es sich nach der primären Diagnosestellung die weitere Diagnostik in einem spezialisierten Zentrum durchführen zu lassen, auch wenn dafür vielleicht ein längerer Anfahrtsweg in Kauf genommen werden muß.


Äußerst wichtig ist die enge und vertrauensvolle Zusammenarbeit sowie der Informationsaustausch zwischen dem behandelnden Neurologen / Neurochirurgen, dem Radiologen und dem Patienten selbst. Nur so können die erhobenen Befunde richtig eingeordnet und für den Patienten eine sinnvolle und zielführende Therapie erarbeitet werden.


(c) by Syrinx/HessenDA SHG (Dr. med Andreas Gottschalk)

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